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Die Juristerei

Schubladendenken

Schubladendenken

Selbstverständlich habe ich da eine passende Vorlage in der Schublade!

Warum Rechtsberatung mitunter auf Befremden stößt, wenn es doch immer dieselben Verträge und Schreiben sind, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Denn selbstverständlich hat man als guter Anwalt für jeden Fall die passende Vorlage in der Schublade.

Warum man dann 5 Jahre Studium und 2 Jahre Referendariat braucht und wieso Anwälte nicht gerade günstig sind, erklärt sich ganz einfach:

  1. Die Miete. Stellen Sie sich vor, wie viele Schubladen wir Anwälte für die vielen Vorlagen brauchen. Endlose Regale. Mit Kanzleien in oft exponierter Lage können Sie sich gut vorstellen, was das allein an Mietkosten verursacht. Immerhin, jeder Fall ist doch irgendwie einzigart, in Nuauncen, und das muss man natürlich mit der passenden individuellen Vorlage berücksichtigen. Da kommen schnell abertausende Variationen zusammen. Hinzu kommen Archive für alte Vorlagen. Jetzt mag man einwänden, dass doch heutzutage alles digital sei; zur Erinnerung: wir faxen noch!
  2. Die Suche. Jeder der schonmal einen Socken nach dem Waschen vermisst hat, weiß, wie komplex und schwierig Suchen sein kann. Daher ist ein wesentlicher Teil der juristischen Ausbildung die Recherche. Damit man die richtige Vorlage schnell findet, ist der gelernte Umgang mit dem Karteikartenkatalog unerlässlich. Im juristischen Seminar wird man beispielsweise durch Kommilitonen (gendern nicht erforderlich), die für die Hausarbeiten relevante Werke verstellen, auf die späteren beruflichen Herausforderungen vorbereitet.

Sie sehen: Trotz der passenden Vorlage in der Schublade ist die juristische Arbeit komplex und zeitaufwendig! q.e.d.

Und im nächsten Beitrag dann der „Textbaustein“ und wie sich damit der Weg zur Gerechtigkeit pflastern lässt…